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Waffen für Kolumbien
Geschäftsführer der US-Tochter des Rüstungskonzerns SIG Sauer in BRD verhaftet. Und wieder freigelassen
Bernd Müller / Samstag 24. November 2018
 
Eine SIG-Sauer-Pistole auf der jährlichen Tagung der National Rifle Association (NRA) in Dallas (Mai 2018). Foto: Lucas Jackson/REUTERS

Die Staatsanwaltschaft Kiel hatte Ron Cohen, den Geschäftsführer der US-Tochter des deutschen Rüstungskonzerns SIG Sauer, kürzlich bei dessen einreise am Airport Frankfurt am Main verhaften lassen. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Donnerstag. Dem 57jährigen Waffenhändler wird vorgeworfen, mehr als 36.000 Pistolen illegal nach Kolumbien geliefert zu haben. Europaweit war nach ihm gefahndet worden. Inzwischen ist er laut Informationen von SZ, NDR und WDR gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von mehreren Millionen Euro wieder freigekommen.

Der Manager war bereits Mitte Oktober festgenommen und nach Kiel überstellt worden, wie eine Sprecherin des Landgerichts Kiel bestätigte. Ende desselben Monats war er aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Unklar bleibt, ob und wann es zum Prozess kommen wird. Das Verfahren gegen Cohen und gegen die beiden in Deutschland lebenden Eigentümer der SIG-Sauer-Gruppe, Michael Lüke und Thomas Ortmeier, ist noch nicht eröffnet.

Die Staatsanwaltschaft Kiel wirft den Angeklagten vor, mehr als 36.000 Pistolen zunächst in die USA und dann illegal weiter in das damalige Bürgerkriegsland Kolumbien ausgeführt zu haben. Damit hätten sie wissentlich gegen die Außenwirtschaftsordnung verstoßen, was mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet wird.

Der inzwischen wieder freigelassene Ron Cohen hatte bei der Lieferung als Geschäftsführer der US-Niederlassung die Leitung inne. Mit seinem Unternehmen bestand ein Vertrag des US-Militärs zur Ausrüstung der kolumbianischen Polizei.

Insgesamt hatte SIG Sauer seit 2006 mehr als 70.000 Pistolen in die USA geliefert und die Zusage gegeben, die Vereinigten Staaten seien der Endabnehmer. Doch nur mit den in der BRD gefertigten Pistolen habe die US-Tochter des Konzerns eine Lieferverpflichtung nach Kolumbien erfüllen können, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Für die Pistolen vom Typ SP 2022 habe es in den USA bis 2011 zuwenig Produktionskapazitäten gegeben. Das hätten die Verantwortlichen wissen müssen, so die Meinung der Ermittlungsbehörde.

Nach Ansicht von SIG Sauer hingegen sind die Lieferungen in die USA »stets rechtskonform« verlaufen. Das deutsche Unternehmen habe Pistolen und Pistolenteile an seine US-Tochter geliefert, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens vom April dieses Jahres. Diese habe die Waffen an die US-Regierung verkauft. Und mit genau den Pistolen habe die damalige Obama-Administration die kolumbianische Nationalpolizei dabei unterstützt, die Drogenkriminalität zu bekämpfen.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft offenbar durch Pressebeiträge. Im Sommer 2014 hatten NDR, WDR und SZ berichtet, dass Tausende Pistolen aus deutscher Fabrikation ohne behördliche Genehmigung nach Kolumbien gelangt waren. Zollfahnder hätten dann gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Kolumbien rekonstruiert, wie und für welche Pistolen die Genehmigungsbehörden offenbar wissentlich getäuscht worden waren, heißt es im SZ-Bericht von Donnerstag.

Junge Welt